Anno 1626, den 26 Mai ist der Weinwuchs im Frankenland alle erfroren.
Wie auch das liebe Korn, dass allbereit erblüht,
Im Deich und in der Aue, alles erfroren. In Manns Gedenken ist so was net geschehen und eine große Teuerung hats verursacht.

Ein großes Flehen und Bitten erhob sich unter dem gemeinen Pöbel.
Warum man so lang zusehe dass die Zauberer und Unholde die Früchte sogar verderben.
So hat ihre fürstliche Gnaden verursacht solches Übel abzustrafen.

Am 26.Mai 1626 kommt es zu einem Naturereignis der besonderen Art.
Ganz Mitteleuropa wird von einer Kältefront heimgesucht. Es ist so kalt dass die Blätter an den Bäumen gefrieren, schwarz werden und abfallen. Die gesamte Ernte wird durch dieses Wetterphänomen vernichtet.
Gleichzeitig ist dieser „unnatürliche“ Frost Auftakt zu einer bis dahin nie da gewesenen Hexenverfolgung.
Auf den Feldern stirbt das Korn… auf den Scheiterhaufen sterben Menschen.

Innerhalb von nur 5 Jahren sterben mehr Menschen auf den Scheiterhaufen als man zu dieser Zeit den Verlust durch Kriege vermuten ließe.

In Bamberg werden über 600 Hexen verbrannt, in Würzburg über 900, in Köln weit über 1000 Menschen wegen Hexerei hingerichtet. Alles im Zeitraum von 1626 bis 1631.
Auslöser war der Frost des Jahres 1626 im Zuge der „kleinen Eiszeit“, wie diese Kälteperiode heute genannt wird.

Sehr gut dokumentiert wird in diesem Zusammenhang der Fall der Christina Böffgens.
Sie wohnt in dem Ort Rheinbach, einem sehr wohlhabendem Ort, in dem Handel getrieben und Wolle verarbeitet wird. Sie selber ist die Witwe des ehemaligem Bürgermeisters des Ortes und ihres Zeichens Tuchhändlerin … und wohlhabend.
Dieser Wohlstand wird ihr zum Verhängnis denn neidische Nachbarn denunzieren sie der Hexerei.

Hier kommt nun ein gewisser Franz Buirmann ins Spiel, denn Franz Buirmann ist der Hexenkommissar des Ortes Rheinbach er leitet den Hexenprozess.
Schöffe des Ortes ist ein gewisser Herman Löher, ihm verdankt die Nachwelt Aufklärung über die Prozesse.

Löher wohnt also den Prozessen bei, sieht wie sie ablaufen.
Jahre später wird er selber der Hexerei denunziert, muß ins Ausland fliehen und schreibt aus Reue das Buch :

„ Hochnötige unterthanige wemütige Klage der Frommen Unschültigen“ (1676)

Portrait (Kupferstich) des Herman Löhr :
(Bildquelle: http://deposit.ddb.de/ep/netpub/67/20/57/975572067/_data_stat//02/becker/images/abb1.jpg )

dort erfahren wir….

Das die Christina Böffgens beharrlich ihre Unschuld beteuerte.
Mehr noch, sie wolle die gesetzte Zeit der Folter überstehen um ihre Unschuld zu beweisen.
Der Hexenkommissar jedoch verspottete sie und sagte ihr, das er sie solange foltern werde bis sie ihre „Satansbuhlerei“ gestehen würde.
Sie durchlief die Folter, gestand jedoch nicht. Da sagte der Buirmann dem Scharfrichter er solle die Frau solange foltern bis sie gestehen würde.
Der Scharfrichter weigerte sich jedoch und sagte… er wolle nicht Schuld an einem Justizmord sein… denn sicherlich würde die Frau die weitere Folter nicht überleben.
Da der Buirmann jedoch über hohe Macht verfügte musste sich der Scharfrichter fügen… die Frau starb während der Folter.
Das war auch für den Hexenkommissar nicht ohne Gefahr, daher gab er an der Satan selbst hätte der „Hexe“ den Hals umgedreht.

Was war der Hintergrund der gesamten Prozedur?
Völlig klar, das Vermögen der Verurteilten wurde dem Landesherrn … und anteilig dem Hexenkommissar zugesprochen. Buirmann verfolgte bevorzugt wohlhabende Leute, war es doch Geld in seine Kasse. Er gewann Reichtümer durch jede hingerichtete, wohlhabende Hexe.

Dieses ist nur ein Beispiel von vielen.

Eindrucksvoll belegt das Buch des Hermann Löhr welches Unrecht den Menschen damals widerfahren ist…. und den gesamten Wahnsinn der dahinter stand.

Hexenprozesse Gliederten sich in neun Schritte:

1. die Denunziation
2. die Besagung
3. die Verhaftung
4. die Vorführung
5. die Suche nach Hexenmalen (Nadelprobe)
6. die Tortur
7. das Geständnis
8. das Urteil
9. die Hinrichtung

Kleine Hexenküche :

Oft wurde den Hexen nachgesagt besondere Salben zu „brauen“ .
Salben mit Zauberwirkung… ja sogar „Flugsalben“.
Heute wissen wir, dank moderner Wissenschaft, das diese Salben von kräuterkundigen Frauen erstellt wurden, die die Wirkungen der Kräuter kannten…. heute wäre jeder Apotheker ein Hexer, jede Apothekerin eine Hexe.

Liebessalbe :

Pappelknospen, Belladonna, Hyoscyamus, Solanum , Papaver
In der richtigen Menge und mit Menschenfett *** gemischt, brachte besonders gefühlsintensive Träume.

Und verwendete man als Bestandteil Aconitum konnte man auch fliegen … jedoch nur im Traum.

Das paradoxe an der Sache … ***

richtig gelesen, Menschenfett !! Dieses wurde von den Scharfrichtern und Henkern verkauft, man gewann es aus den Leichen hingerichteter Personen und die Henker hatten das Recht dieses Fett zu verkaufen. Da es menschlichen Ursprungs ist, ist es überaus perkutan. Das heißt, es wird von der menschlichen Haut sehr schnell aufgenommen. Das wusste man schon damals.

Und morgen richte ich den Fett-Käufer wegen Hexerei hin … paradox !

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Zum Beispiel hier: Hexerei im allgemeinen / Gibt es Hexen ?