Am Südostufer des Grunewaldsees steht der älteste noch erhaltene Schlossbau Berlins. Das Jagdschloss Grunewald. Im Grunewald soll es manche Stelle geben, wo es nicht ganz geheuer zugehen soll, am heftigsten aber soll es im Jagdschloss spuken. Besonders rätselhaft ist eine vermauerte steinerne Wendeltreppe in dem Jagdhaus, das der Kurfürst Joachim II. von Brandenburg 1542 errichten ließ.

Diese Treppe führte ursprünglich in die obere Etage. Der Sage nach, sollen die Nachfolger Joachims hier die “schöne Gießerin” Anna Sydow, Tochter eines Spandauer Gießmeisters (andere Quellen berichten, dass sie die Witwe eines Gießers gewesen sei) und GeliebteJoachims II., haben einmauern lassen. Joachim II. war ein leidenschaftlicher Jäger. Deswegen erhielt er mehrfach Tadel von seinen Landständen, die ihm vorwarfen “.stehts im holze [zu] ligen und der jagdt [zu] gewarten.”, jedoch wenig Zeit für die Regierungsgeschäfte aufzubringen. Hedwig, die zweite Gemahlin des Kurfürsten, nahm häufig mit ihrem Gefolge an der Jagd teil. Im Jahre 1551, bei einem Aufenthalt in Grimnitz, brach der morsche Fußboden unter dem Kurfürstenpaar weg. Während Joachim II. zwischen den Balken unverletzt hängen blieb, stürzte die Kurfürstin in die Tiefe, brach sich einen Schenkel und spießte sich an den aufgehängten Geweihen im darunter liegenden Raum auf. Seit diesem Unfall konnte sie nur noch an Krücken laufen. Den für Joachim II. nicht mehr vorzeigbaren körperlichen Zustand seiner Gemahlin nahm er zum Anlass eine Verbindung mit Anna Sydow einzugehen. Mit ihr zeigte er sich nun in der Öffentlichkeit und verbrachte in ihrer Gesellschaft und dem gemeinsamen Kind oft viele Tage im Jagdschloss Grunewald. Etwa 20 Jahre diente das Jagdschloss der “schönen Giesserin” als Wohnsitz. Als 1571 der Kurfürst starb, brachte man Anna Sydow auf Anordnung seines Sohnes Kurfürst Johann Georg auf die Festung Spandau, wo sie 1575 verstarb. Im Volk festigte sich jedoch der Glaube, sie sei in der Wand der kleinen Wendeltreppe die sie zu Lebzeiten immer zum Kurfürst nach oben stieg im westlichen Eckflügel lebendig eingemauert worden und spuke seitdem um Mitternacht im Schloss herum.

Das Schloss um 1900

Oft wurde von einer weißen Frau berichtet, die dort umhergehen soll. Eine andere Sage erzählt, dass es sich bei der weißen Frau um eine Hofdame handelt, die auf Geheiß der eifersüchtigen Kurfürstin im Schacht habe verhungern müssen. Aber auch andere Dinge sollen sich im Schloss zugetragen haben. So erzählt man sich von ein paar Fischern, die in einem Herbst, nachdem sie bis spät Abends gefischt hatten, sich in einem Seitengebäude im oberen Teil schlafen gelegt hatten. Die zwei Türen, sowohl die unten an der Treppe als auch die andere, welche oben vom Treppenflur in das Zimmer führt, hatten sie zugemacht. Auch die dritte Tür, die nach der angrenzenden Kammer geht, war fest zu. Als sie nun tief schliefen, kam etwas deutlich hörbar die hölzerne Treppe herauf, die Stubentür flog auf, und sausend stürzte es durch die Stube. Die Kammertür, die wohlgemerkt keine Klinke hatte, aber dennoch fest verschlossen war, öffnete sich, und heulend wie ein Sturmwind zog’s in die Kammer hinein. Dann war’s still im Zimmer. Mit einemmal fuhr es aus dem Schornstein und polterte den Ofen hinab. Wieder war dann alles still. Die Männer aber waren gleich anfangs aufgewacht und zitterten vor Entsetzen. Keiner wagte es aufzusehen, stattdessen zogen alle ihre Mäntel übers Gesicht, als es bei ihnen vorbeiging. Als das Tosen und Poltern im Ofen vorbei war, sprangen sie auf, rannten die Treppe hinunter und stürzten über den Hof in die Kutscherstube; erst da wagten sie aufzuatmen. Ein anderes Mal, als sie in der Kutscherstube schliefen, öffnete sich plötzlich die Pferdestalltür und der Kutscher kam zitternd zu ihnen in die Stube. Hinter ihm raste es wie ein Wirbelwind, riss die Flurtür auf und fuhr durch den schmalen Flur nach dem Hof hinaus. Als sie dann ans Fenster eilten, sahen sie mit Schrecken, wie es im Mondschein wild auf dem Hof und an den Wänden der Gemäuer herumtobte wie die wilde Jagd und ganz deutlich eine weiße Gestalt herumstürmte. Auch der alte Kellermeister soll des Nachts um zwölf Uhr noch oft die große Wendeltreppe des Schlosses herabkommen und mit den Schlüsseln klappern. Auch fangen manchmal die alten großen Bratspieße unten in der gewölbten Küche an, sich von selbst zu drehen.
Es scheint, das Leben, das hier früher zu der alten Kurfürsten Zeit geschah, ist noch nicht vollständig zur Ruhe gekommen…