In der Klosterstrasse im Berliner Stadtteil Mitte befand sich bis zum zweiten Weltkrieg ein Franziskanerkloster. Im mittelalterlichen Berlin sprach man von diesem Gotteshaus nur als „Graues Kloster“. Dieser Name geht auf die graue Kleidung der Franziskanermönche zurück
Bis zu seiner Zerstörung im Krieg galt es als das wichtigste mittelalterliche Bauwerk der Stadt.

Heute steht dort nur noch die Ruine der Klosterkirche, mit deren Bau im Jahre 1250 begonnen wurde

Wer nahe der Ruine nachts an der Kreuzung zur Klosterstrasse steht, hört vielleicht von Zeit zu Zeit ein klagendes Kreischen. Heutzutage stammt dieses Geräusch wahrscheinlich von der U-Bahn, die unter der Strasse in die Kurve geht. Diese Erklärung greift aber nicht für das Wehklagen, das man etwa ab dem Jahr 1320 in den Klostermauern hörte. Man schrieb es Pater Roderich, dem hinkenden Mönch, zu.
Dieser Mönch kam in jungen Jahren zu seiner Behinderung. Damals lebte er noch als Junker von Bruno an der Saale. Er hatte sich in die Tochter eines Burgvogts verguckt, welche in einem Turm auf der väterlichen Burg lebte. Des Nachts ließ die junge Dame ein Seil aus ihrem Turmfenster herab und der Junker kletterte flugs nach oben.
Der Burgvogt entdeckte das Seil, riss es herunter und stürmte wutentbrannt die Turmtreppe nach oben. Junker von Bruno sah sich in die Enge getrieben, und nahm den einzigen Ausweg der ihm noch blieb. Er sprang aus dem Turmfenster und brach sich den rechten Fuß. Mit Hilfe eines Freundes konnte er fliehen und auf Nimmerwiedersehen verschwinden.
Der nächtliche Besuch blieb nicht ohne Folgen. Das schöne Burgfräulein war schwanger. Sie gebar im Dorf bei einer Amme einen Sohn den sie Bernhard nannte und den sie später ihrem Ehemann als Pflegekind unterjubelte. Sie bekam noch eine Tochter und alles schien perfekt zu sein. Nur wie das Schicksal es so sollte, kamen sich der vermeintliche Pflegesohn und seine Schwester Luise näher als sie eigentlich sollten.
Die Mutter war hellauf erzürnt und schickte Bernhard in das graue Kloster nach Berlin auf das er Gott näher komme.
In dieses Kloster war nun aber der Junker von Bruno seinerzeit geflüchtet. Er lebte dort mittlerweile als hinkender, verbitterter und böser Mönch unter dem Namen Pater Roderich, der überall Zwietracht säte und seine Brüder gar zum Mord anstiftete. Diese hatten gerade auf seinem Befehl hin einen anderen Pater des grauen Klosters umgebracht, wofür die Berliner die noch in Berlin ansässigen Tempelherren verantwortlich machten.
Zwischenzeitlich erfuhr Luise daheim von ihrer Geschwisterschaft mit Bernhard und teilte diesem die Neuigkeit sofort schriftlich mit.
Völlig verstört und emotional aufgewühlt sagte Bernhard, gar nicht feige, dem bösen Roderich auf dem Kopf zu was er von ihm hielt. Woraufhin dieser den braven Bernhard schnellsten in den feuchten Klosterkeller sperren ließ.
Inzwischen waren die Tempelherren hingerichtet worden. Da gestand einer der wahren Missetäter, den Mord im Auftrag Roderichs begangen zu haben.
Eine aufgebrachte Menschenmenge stürmte nun das Kloster. Roderich flüchtete in die hinterste Zelle des Klosters, die ehemals Bernhard gehörte. Er fand Luises Brief und erfuhr daraus, dass Bernhard sein leiblicher Sohn ist. Schnell stürzte er in den Keller um seinen Sohn zu befreien.
Währendessen suchte die aufgebrachte Menschenmenge mit Fackeln im Kloster nach dem hinkenden Mönch. Da ertönte ein markerschütternder Schrei aus den Tiefen des Klosters. Mutige Männer begaben sich in den Keller und fanden den Gesuchten kniend neben einem toten jungen Mönch.
Roderich legte ein Geständnis ab und wurde sofort von den aufgebrachten Leuten erschlagen.
Seither hörte man aus den Kellergewölben des Nachts öfter ein schauerliches Stöhnen: Der hinkende Mönch beweint seinen toten Sohn.