Im Jahre 1981 wurden wurden im Zuge von Neubebauungsarbeiten am Reformationsplatz in Spandau Fundamente eines mittelalterlichen Gebäudes freigelegt. Die Mauern bestanden aus behauenen Feldsteinen und Ziegelsteinen.
Bei den Ausgrabungen wurden u. a. 580 Gräber geborgen, die zu dem ehemaligen Friedhof der St. Nikolai-Kirche gehörten. Dieser Friedhof wurde bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts genutzt. Wie lange dieser Bereich als Friedhof benutzt wurde, lässt sich aufgrund der in mehreren Schichten übereinander liegenden Gräber nur erahnen.
Tiefer gelegene Gräberschichten waren teilweise durch mittelalterliche Fundamente überlagert. Anhand der gefundenen Keramikstücke datierte man die Fundamente in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts. Vier der ältesten Gräber enthielten sog. „Schläfenringe“. Dabei handelt es sich um slawische Schmuckstücke, die an einem Haarband an den Schläfen getragen wurden.
Das Alter und das Geschlecht der ausgegrabenen Skelette wurden bestimmt und dokumentiert. Bei den anthropologischen Untersuchungen wurden auch Krankheits- und Verletzungsmerkmale aufgezeichnet.
Nach Beendigung der archäologischen und historischen Forschungen geht man davon aus, dass es sich sehr wahrscheinlich um Reste eines Dominikanerklosters handelt. Wegen der schwarzen Mäntel den die Dominikaner auf ihren Reisen trugen wurde dieser Orden nach 1536 als „Schwarze Zelle“ bezeichnet.

Einige der Ausgrabungsstellen kann man heute durch große Schaufenster besichtigen.

Aufmerksam wurde ich auf dieses Gebiet durch den Bericht eines Users, der in dem Neubau über den gefundenen Fundamenten wohnte und in seinem Wohnzimmer eine Erscheinung eines Mönches hatte.
Kurfürst Joachim II. vollzog in der Nikolai-Kirche im Jahre 1539 seinen Übertritt zum evangelischen Bekenntnis. Vermutlich kam deshalb der Reformationsplatz zu seinem Namen.

Bevor Luther seine Lehren verkündete war die Nikolai-Kirche katholisch. Der damaligen Sitte entsprechend verdienten sich arme Schüler als Chorknaben etwas Geld. Sie zogen von Haus zu Haus und sangen.
Mindesten zwei Sagen ranken sich um die Nikolai- Kirche und ihren Chorknaben:
Zu den ungeliebten Aufgaben der Jungen gehörte es auch die Kirche zu säubern. So oft es ging drückten sich die Knaben vor dieser Aufgabe und spielten stattdessen Karten. Eines Tages wollte ein Besucher der Kirche mitspielen und sie ließen es zu. Der fremde Gast ließ aber eine Karte nach der anderen fallen, was in den Knaben den Verdacht aufkommen ließ, dass es sich hierbei um den Teufel persönlich handeln müsse. Dennoch spielten sie weiter. Ein Knabe, der am häufigsten verlor, bemerkte unbedacht: „Wenn ich noch weiter verliere, soll mich der Teufel holen!“ Als er das nächste Spiel verlor sprang der Fremde auf, riss den Jungen an sich und erhob sich mit ihm mit in die Höhe. Das Mauerwerk öffnete sich einen Spalt und beide entschwanden hindurch. Der Riss in der Mauer ist noch heute zu sehen.

Die Chorknaben sollen der Sage nach aber noch etwas anderes in der Kirche angestellt haben.
Früher gab es in der Nikolai-Kirche dicke Bücher die an Ketten befestigt waren. Auch das 6. und 7. Buch Mose sollen sich unter ihnen befunden haben. Dreist wie Knaben nun mal sind öffneten sie diese Bücher und begannen zu lesen. Plötzlich war die Kirche voller Geister und die Jungen gerieten in Panik. Nur einem umsichtigen Pfarrer, der das Buch rückwärts las, war es zu verdanken, das der Spuk wieder verschwand.

Des Öfteren wurde die Nikolai- Kirche durch Kriege, Brände und Blitzeinschläge zerstört und immer wieder aufgebaut. Eine Kanonenkugel steckt noch heute in der Kirchenmauer.

Nicht weit von der Altstadt entfernt befindet sich die Zitadelle Spandau. Die ältesten heute noch erhaltenen Teile stammen aus dem Mittelalter. Der dazugehörige Juliusturm, benannt nach Herzog Julius von Braunschweig-Wolffenbüttel, wird auf Anfang des 13. Jahrhunderts datiert.

Allerdings wurden bei archäologischen Untersuchungen Reste einer slawischen Befestigungsanlage etwa aus der Zeit um 1050 entdeckt.

Der Juliusturm diente ursprünglich als Bergfried, später kam er als Verlies für Staatsgefangene zum Einsatz und bis 1918 wurde hier der Reichskriegsschatz gelagert.
Anna von Sydow, im Volksmund „die schöne Gießerin“ genannt, war eine Geliebte des Kurfürsten Joachim II. mit dem sie 2 Kinder hatte.
Nach dem Tod des Kurfürsten Joachim II. ließ dessen ältester Sohn Anna von Sydow gefangen nehmen, obwohl er seinem Vater versprochen hatte, sie „jederzeit zu schützen und verteidigen“ und sie „samt Kindern, Hab und Gütern“ unter sonderlichen Schutz zu stellen.
Stattdessen wurde sie in die Zitadelle Spandau gebracht, wo sie bis zu ihrem Tod im Jahre 1575 „sehr hart gehalten worden“ sein soll.
Einer anderen Sage nach wurde die schöne Gießerin im Jagdschloss Grunewald unter einer Treppe lebendig eingemauert, wo sie seitdem als weiße Frau immer wieder erscheint.